Best of - SELECTRONISCH Vol3 - Free Download

method150Ein erstes Anzeichen für die anhaltend hohe Fan-Akzeptanz war im Jahr 2013 der Zuspruch zum sehr variablen Album Method, dass erneut für eine weitere Ära Erbscher Kompositionskünste stehen würde. Jeder der 13 Tracks besitzt eine inovative Besonderheit und wohl nicht umsonst wurde es zum besten Album des Jahres der Schallwelle-Wahlen gekürt. Method gehört sicherlich zu den wichtigsten Alben die ich gemacht habe und steht in einer Reihe mit Light of Sirius, Intermediate und dem 2020er Album Nachtlichter.Es hat eben dieses Besondere was man nicht beschreiben, sondern (vielleicht) nur hören kann. Aber auch die richtige Trackreihenfolge zu wählen ist und war eine Eigenschaft die mir half, den richtigen Spannungsbogen zu erzeugen. Ich investierte schon immer viel Zeit in das Sichtbare einer CD, lies mir bei Method aber noch mehr Spielraum für das Cover und fürs finale Mischen. Diese "Methodik" war dann auch Namensgeber für das Projekt und stellte nahezu perfekt das aktuelle Erbe-Musik-Prinzip in den Mittelpunkt. Method ist durchaus kommerziell und besitzt weniger traditionelle Aspekte. Ich finde die Bezeichnung "Synthetical" sehr treffend und möchte hier Albrecht Piltz (ehem. Keyboard Rezenseur) benennen, der diesen Begriff verwendete und (bleibt noch zu ermitteln) wohl auch erfand. Es umschreibt idealerweise die Verbindung aus elektronischer Musik mit fluffigen Beats, eingebettet in leicht sequenzierten und melodiösen Elementen. Neben Cloudcontrol, dem dritten Wunderwerk, What a perfect Day sticht besonders New York noch hervor, dass eine remixte Version des ersten Carpenter Klapperschlangen-Maintheme ist. 

Ein Jahr später erschien Legacies. 2014 war das erste echte Jubiläum, dass durchaus ein Best-of Album verdient gehabt hätte. Ich habe es dann aber anders "gefeiert" und mir darüber Gedanken gemacht, wie wohl ein Erbe Albumlegacies150 vor exakt 20 Jahren mit den technischen Möglichkeiten von 2014 geklungen hätte. Meine Umsetzung der Kompositionen waren also virtuell zurückgeschraubt worden und ich sezierte die Stücke nach den Arbeitsweisen der ersten Alben. Natürlich klang das Ergebnis anders als Cosmic Dreamland und Light of Sirius, aber es klang auch anders als Method und die Alben die ich davor gemacht habe. Es war natürlich eine Herausforderung die Messlatte nach Method hoch zu halten und ein gutes Album aus Legacies zu machen. Die Stücke sind in ihrer Machart direkter und reduzierter geworden und beziehen ihre Spannung auch aus den verschiedenen Klangkonstrasten. Der Remix zu Sound of Sky wurde als Bonus hinzugefügt. Alle anderen Tracks stehen dagegen für 20 Jahre musikalische Rückbetrachtung, aber erneut nicht als Best-of.

2014 gab es neben der eigenen Albenproduktion, noch eine exklusive historische Note. Erstmals kooperierten Steve Baltes und ich gemeinschaftlich auf der Bühne. Es entstand im Rahmen der Bochumer Sound of Sky-Shows ein erster magischer Live-Moment und uns beiden war sofort klar, dass die Bündelung der beidseitigen Fähigkeiten nicht nur Potential hatte, sondern die Geburtsstunde eines neuen großen Elektronik-Projektes sein würde. Ich war es in der Vergangenheit, bis auf ein paar kleinere Ausnahmen, nicht gewohnt meine musikalische Ideen zu teilen oder sogar nochmal in andere Hände zugeben. Steve allerdings hat diese Gabe jeden Track und die Idee dahinter, nochmal besser zu machen und ihn so zu verändern, dass der Song ein völlig neues Gewand bekam. Ich denke diese Synergie hat uns beide nachhaltig verändert und neben der gewonnenen Freundschaft, auch musikalische Elemente ergänzt, die keiner von uns beiden allein hinbekommen würde. Anders als bei meinen Soloalben, verabreden wir uns alle 2-3 Jahre um ein neues Projekt zu starten. Ich hoffe sehr, dass wir in 2021 etwas Neues beginnen werden können.

Die Arbeitsweise aus den gemeinsamen Live-Events haben beinahe unbemerkt auch meine eigenen Möglichkeiten erweitert. Hatte ich sonst eher ganz klassisch DAW-Sequenzergerecht produziert, würde ich nun auch mehr und mehr Live-Arrangements erzeugen, die notiert-unbearbeitet 1 zu 1 den Weg auf die nächsten Alben finden würden. Tatsächlich ist dies erstmalig auf der zweiten Club Genetica im Jahr 2015 zu hören. Viele der eingespielten Solis 2cg150fallen in dieses Herstellungsmuster und haben eine ähnliche Stimmung wie das erste Baltes-Erbe Produkt mit Namen S-thetic². Das Titelstück des B&E Album habe ich dann auch in den ersten Original-Version auf die 2CG veröffentlicht und beschreibt o.g. Prinzip beider Musikprojekte auf eine sehr nachvollziehbare Weise. 2Club Genetica ist keine direkte Fortsetzung des ersten CG Albums. Es ist eher die Namensfortführung zu Tracks die irgendwie alle zu synthetisch hergestellten Fluiden und Stoffen passten. Ich dachte schon nach dem ersten fertig gestellten Stück an bläulich iluminierten Fluoreszenzen, die man in einem futuresken Club, mitternächtlich an seltsame Kreaturen ausgeben würde. Der finale Soundtrack passte ganz eindeutig. Die Tracks haben einen durchgängig swingenden Sound und verfolgen den Gedanken, sich in einem sehr lässigen Beat von A nach B zu bewegen. Hydrogenetica gehört neben dem vierten Wunderwerk, sowie Move it und dem S-thetic-Bonus wohl zu den markantesten Hits. Aber auch auf dieser CD passte alles ineinander, auch wenn sich so mancher Berlin-School-Liebhaber vielleicht noch ein paar mehr Retrotunes gewünscht hätte. Es ist eben wieder ein echtes Erbe-Synthetical geworden.

Das zeitlich aufwendigste und wohl aufreibenste Projekt meiner bisherigen Musikkarriere ist das 2016er Album Selectronique Debussy. Mehr als 16 Monate hatte ich daran gearbeitet und wundere mich noch immer, dass escover SDmini überhaupt fertig werden konnte. Der Trigger, ein ganzes Album nur mit Debussy Interpretationen zu machen, kam durch eine externe Anfrage. Erstmalig hatte ich mich dazu hinreissen lassen, ein Album für ein externes Label bzw. Vertriebsweg zu produzieren und entwarf schon in 2015 erste Ideen. Mein Auftraggeber versprach viel und konnte aber letztendlich die Vertriebs-Erwartungen nicht erfüllen, die mich hätten davon überzeugen können, die Kompositionen aus der Hand zu geben. Nach Eingang eines mässigen Entwurfes eines möglichen Platten-Deals, hatte ich entschieden, die Musik bei mir zu belassen und wie gewohnt über das eigene Label zu distributieren. Never change a running System dachte ich. Wie wahr, denn auch dieses Musikkonzept ist aufgegangen. SD ist eine Mischung aus Interpretation, ergänzendem Arrangement und inspirierender Neukomposition. Die Musik ist recht anspruchsvoll und bleibt notiert sehr nah am Original. Das hatte zur Folge, dass die Musikstrukturen natürlich völlig anders waren, als bei den üblichen Erbe-Veröffentlichungen.Um aber einen sinnvollen Spannungsbogen herzustellen,  wurden die Tracks recht unterschiedlich instrumentiert und sind oft voller Detailfülle. Dies verlangt nach intensiver Hörintensität und dem Konzept, das Album mehrfach zu erfahren. Claude Debussys Stücke sind traumhaft schön und boten eine umwerfende Option an manigfaltiger Interpretation.
Zusätzliche Erbe-Kompositionen ergänzten die Debussy-Arrangements sehr kontrastreich und brachten einige ungewohnte Klanggebilde zu Tage. Ich bin sicher, dass dieses Album die Erbe-Jünger auf eine Probe gestellt hat. Es ist eben kein typisches Erbe-Album, aber es hat eine Qualität die mich mit Stolz erfüllt. Ich bin mir auch sicher, dass es nicht so viele Elektronik-Künstler geben wird, die so ein Projekt umsetzen würden können. Es ist ganz anders als Tomita, William Orbit oder Schiller, die ihre Projekte der Klassik-Umsetzung viel direkter umgesetzt haben. Selectronic Debussy verwendet Klänge und Sounds die die Original-Notierung deutlich verändern. Wo ein Klavier im Ursprung einen Part bespielt, verwendete ich einen ambienten Sound, einen gefilterte Fläche oder etwas anderes Abstraktes. Die Kompositionen erhielten damit völlig neue Schwerpunkte. Als Beispiel ist hier the Sunken Cathedral zu nennen, dass in seiner neuen ambienten Form den Untergang und die umschliessenden Wasserwelten sehr eindrucksvoll verbindet. Womöglich werden orchestrierte Klassikliebhaber hier die Nase rümpfen und der traditionalistische Sequenzer-Fan zu wenig EM-Raster vernehmen, aber es ist eben für mich ein völlig neuer und sehr geistreicher Umgang gewesen. Es gibt meiner Meinung keine echte Musikschublade für diese CD und seiner Musik. Wer darin eintauchen will, sollte sich von allen Mustern und Vorgaben der Klassik vorab lösen. Möglicherweise ist Selectronique Debussy (m)ein Meisterwerk und ich werde noch ein wenig Zeit brauchen, um es auch selbst so ganz zu verstehen.
 
tfom150Ach ja (hatten wir das nicht auch schon in vol2), da war ja auch noch ein neuerliches Free Download Album. The Freedom of Movement ist das alljährliche Geschenk, ungehörtes und unveröffentlichtes ins weite Rund zu schicken. Etwas zu unbeachtet wie ich im Nachhinein finde. Aber das liegt sicher auch am Aktionsradius meines Schaffens und der Tatsache, dass es manchmal vielleicht doch zu viel Output im Erbe-Universum auf einmal gibt. Auf der TFOM sind auch zwei Stücke anderer Compilationen. Zum einen das tolle Into Sunrise (Schallwende Schallplatte) und only one Step, dass auch auf einem B&E Album zu finden ist. Ansonsten, keine Ursache und wie immer gern geschehen!

Schon lange hatte ich mich nicht mehr mit den astronomischen Dingen musikalisch beschäftigt, was ich dann endlich in 2017 nachholen würde. Allerdings gab es nur die Idee des Konzeptes und keinen genesys150echtes astronomisches Ereignis. Viel mehr inspirierte mich die Idee eine Reise durchs All von einem synthetischen und nicht realen Charakter begleiten zu lassen.GENE würde sie heißen und ein paar selektive Stimmungen für das Album hinzufügen. Aber nur soviel, dass das Kopfkino genügend eigenes Vorstellungs-Material erzeugen würde. Somit bezieht sich der Name auch nur indirekt auf die Entstehungsgeschichte, sondern viel mehr auf das System GENE eben GENE SYS. Die Geschichte bietet aber trotzdem viel Spielraum für eigene Interpretationen und offeriert eine Basis, sich auf die eigene musikalische Reise an den Rand des Universums zu begeben. Das darauf trotzdem ein kleiner roter Faden zu finden ist, hilft dabei die Trackstimmungen aufzufangen. Die Musik ist Space-Sound-Erbe-IDM, um es in vier Wörtern zu beschreiben. Knackig und kurzweilig. Equivocal ist EM der heutigen Zeit und All the Stars ist meine griechische Verneigung vor einem (m)einer Vorbilder. Wenn auch mit typischen Erbe-Beilagen. Die Geschichte zu "Jiensis" (so wirds richtig gesprochen) ist durchgängig und ein typisches Erbe-Stilmittel.

los150Immer wieder mal holt einen die musikalische Vergangenheit ein und man schaut zumeist emotional zurück. So auch bei dem Album Light of Sirius. Ersthörer von heute werden den Spirit des Album sicherlich nicht mehr so vereinnahmen können, wie der Premierenkonsument aus der damaligen Zeit. Es spielt halt schon eine Rolle, wann hat man was zum ersten mal gehört und erlebt. In der Betrachtung zu vol. 1 dieser Best of Serie hatte ich schon über die Produktionsfehler der damaligen Zeit referiert. Somit trug ich immer diesen Makel des schlechten Masterings in mir und entschied nun doch nochmal Hand anzulegen. Nur das Remastern der Original-Aufnahmen stand im Raum und keine neuen Arrangements. Ausserdem hatte ich noch 3 Tracks gefunden, die genau aus dieser Zeit stammten und mich irgendwie darum baten, doch noch den Weg auf ein Album zu finden. Gesagt, getan.Die Best-of Stücke von LOS sind auf der Selectronisch volume 1 zu finden.

Das letzte Album, dass ich nun final beleuchten möchte ist Reflect. Es entstand Ende 2018 und Anfang 2019. Der Prozess des Fertigstellens war hier eher fliessend, hatte ich schon 2018 die Digitale Version produziert, so reifte der Entschluss die physikalische CD etwas aufzupimpen und ihr noch 3 weitere Songs zu gönnen. Reflect ist thematisch sehr ambitioniert und vereint die Umsetzung umweltrelevanter Themen und menschlich gemachter Probleme und reflect150deren Abgründe. Der Gedanke sich und seine Vorstellung in seine Musik zu reflektieren, offerierte einige Ansatzpunkte. Die Musik auf Reflect ist durchaus eckig und kantig, verwendet oft Stilmittel die direkt sind und einen härteren Beat beinhalten. The Child of Aleppo war der erste Track des Albums. Er entstand zu einer Zeit, als die Welt in den nahen Osten schaute und sich immer wieder fragen lassen musste, warum lässt die Menschheit soviel Leid zu. Die TV-Doku Die Kinder von Aleppo erzählte die Geschichten verschiedener Kinder und ihr unglaubliches Leben. Für mich war der Anlass meine Gedanken zu streuen und zu versuchen, meine Reflektionen tonal zu verarbeiten. Reflect ist in der Reihe der letzten Alben ein Album mit Symbolcharakter. Alle Tracks hatten immer erst eine thematische Idee und dann entstand erst die Musik. Diese Arbeitsweise bildete widerum einen echten Kontrast zu den vorherigen Veröffentlichungen und hinterlässt ein einmaliges Album. Tracks hervorzuheben um sie auf ein Best of Album zu verwenden, war echt schwierig, da jedes Stück Musik etwas tolles geworden war. 

An dieser Stelle endet mein Rückblick und ich lasse bewusst das Jahr 2020 aussen vor. Die letzten Alben sind einfach noch zu frisch, um sie auf ein Best-of Album zu berücksichtigen. Ich denke, dass sie dann der Beginn einer neuerlichen Retrospektive in 2028 sein werden können. Ich verspreche Euch weiterhin aktiv zu bleiben und das Erbe-Universum weiter musikalisch zu erforschen. Es würde mich freuen, wenn ihr mich dabei begleiten werdet.
Achja, warum nicht Wunderwerke. Es steht immer noch in Planung ein ganzes Wunderwerke-Album zu machen. Und dann sollte es ja auch so heißen ;)

sel3 150 72 dpiAuch Selectronisch vol.3 ist kostenlos und kann bis auf weiteres frei heruntergeladen werden. Einige von Euch nutzten bereits den angebotenen Donate-Button. Vielen Dank dafür. Es ist natürlich eine Wertschätzung für meine investierte Arbeit, aber vielmehr der Beweis, dass Musik nicht nur einen ideologischen Wert besitzt. Ebenso freue ich mich über das zahlreiche Feedback und den Zuspruch zu dieser Triologie. Hier gibt es Teil 1 und Teil 2.

Herzlich
Stefan Erbe
05.01.2021   


01 Daystarter 2014 / Legacies
02 Cloudcontrol 2013 / Method
03 Equivocal 2017 / GENESYS
04 The girl with the flaxen hair 2016 / Selectronique Debussy
05 The child of aleppo 2018-2019 / Reflect
06 All the stars 2017 / GENESYS
07 Hydrogenetica 2015 / 2Club Genetica
08 Wunderwerk 3 2013 / Method
09 Here comes the news 2018 / Reflect
10 Into sunrise 2016 / The freedom of Movement 
11 This city never sleeps 2014 / Legacies
12 Le temps perdu 2015 / Selectronique Debussy
13 New York 2013 / Method
14 S-thetic (Original Edit) 2015 / 2Club Genetica
15 Dr gradus ad parnassum 2015 / Selectronique Debussy

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Best of - SELECTRONISCH Vol2 - Free Download

Wer an dieser Stelle das erste mal von einem kostenlosen Best of-Album gelesen hat, sollte zunächst die Geschichte um das erste Best of Album lesen. Dies ist hier zu finden. Wer tatsächlich die Premieren-Reise des Vol1-Downloades schon kennt, dem eröffne ich nun einen weiteren Einblick in die Schaffenszeit des Erbe-Universums zwischen 2005 und 2012. Wie schon im ersten Teil angedeutet, hatte sich eine musikalische Produktivitätslücke zwischen 2002 und 2004 in meine Vita eingeschleust. Ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr ganz genau rekonstruieren, warum sich so wenig Musikalität ergab. Natürlich gab es immer mal auch private und berufliche Veränderungen, die Einfluß auf die Menge des tonales Auswurfes nahm, aber das es gar keinen Erbe-Silberling in die weite Welt schaffen würde, ist in der Nachbetrachtung schon etwas verwunderlich.
 
timeless 150Zur 2005er Comeback-CD gibt es aus heutiger Blickweise wenig Negatives zu schreiben. Im Gegenteil, Timesless (ok, der Titel ist auch damals schon etwas zu häufig benutzt worden) überzeugt auch heute noch mit tollen, teilweise auch skurilen Einfällen, sowie einer Erbe-Sound-Weiterführung, die sich deutlicher von der typischen EM-Szene entfernte, als ursprünglich geplant. Timeless ist in der Erbe-Tradition, immer wieder mal ein sehr kommerzielles Album zu machen, eines der beispielgebenden Werke. Aber es gab auch ein neuerliches Absatzrisiko für das aktuelle und die kommenden Tonträger, denn umso mehr sich die Musik von der traditionellen Musikszene entfernte, desto schwieriger wurde es eine ergänzende Fanbase aufzubauen, die meine Musik über andere Kanäle zu Ohren bekam. Wie bei vielen anderen Künstlern, war der Wegfall von Radiosendungen, weniger Konzertoptionen und geringerem Allgemeininteresse deutlich zu spüren. Grund genug, sich auch vertrieblich weiterzuentwickeln und die Musik auf eigenen Veranstaltungen nicht nur live zu spielen, sondern sich in jahrelanger Guerilla-Taktik einen Namen aufzubauen.
Obwohl ich in den ersten Jahren viele CDs verkaufen konnte, gab es keinen Kaufwiederholungsautomatismus. Viele Fans elektronischer Musik hatten sich nach und nach von dem Genre abgewandt. Dies lag auch daran, dass es wenig Inovative Ideen der etablierten Größen gab, die Medien kein Interessen an der Musik hatten und auch kaum ein Musiker es schaffte, sich in den Kreis der Pioniere, weder kommerziell noch künstlerisch populär einzureihen.Ich hatte aber immer das Glück eigene Optionen zu entwickeln, die mir eine dauerhafte Präsenz ermöglichte. Zumeist waren es aber Events die ich entweder selbst entwickelte und umsetzte oder ich das Glück hatte, von Medien und Konzertveranstalter eingeladen zu werden. Meine Kommerzialität, insbesondere auch auf der aktuellen CD half dabei durchaus. Somit war ich nicht nur auf die traditionelle Schiene wie z.B. der astronomischen Einrichtungen festgelegt, obwohl dies schon seit Beginn an ein begleitendes Erbe-Image geworden war. Auch wenn Timeless dies nicht in Gänze bediente, so konnte ich meine Musik immer sehr variabel einsetzen.

Synasthetik war 2006 ein weiterer (gelungener) Versuch, nicht nur über Verkaufs-CDs erfolgreich zu sein. Als zweites kostenloses Album vereinte es diverse Tracks aus den letzten 10 Jahren, die es nicht auf ein reguläres Albumsynasthetik 150 geschafft hatten. Da die Musik sehr unterschiedlich Entstehungsursprünge hatte, war sie kein hochklassiges Meisterwerk, sondern eher ein kleiner erster musikalischer Rückblick ohne Best-of Ambitionen. Synasthetik hatte einen symbolischen Wert für die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Dasein ohne finanzielles Risiko und war in der Gunst des Konsumenten recht ordentlich platziert. Ob es das Album gebraucht hätte, bleibt für mich unbeantwortet. Es hat seine Qualitäten, aber auch ein paar Längen, die man aus heutiger Sicht vielleicht weggelassen hätte. Aber betrachtet man die Zeit in der all dies erzeugt wurde, so ergibt alles wieder einen Sinn. Als Künstler brauchte ich diese Veröffentlichung um eigene Perspektiven aus dem Feedback meiner Hörer zu entwickeln.

speedoflife 150Speed of LIfe als 2008er CD hatte einige Parallelen zum 97er Album Kunststoff. Es war in der Fortführung der eigenen Musik aber nicht die bedeutsamste Produktion. Ihr fehlte ein bisschen das schlüssiges Konzept und unterlag den technischen Veränderungen in meinem Studio. Ich hatte schon seit einiger Zeit die analoge Produktionsebene verlassen und komponierte, produzierte und mischte hautptsächlich im Rechner. Der richtige Einsatz digitaler Synths, Sampler und Effekten hatte auch seine Schattenseiten. Im Besonderen wenn der Einsatz dieser Tools an kreativen Grenzen stieß. Im Rückblick ist Speed of Life die Fortführung von Timeless und bot ähnliche Songs wie der 2005er Silberling. Wahrscheinlich ist das auch meine exklusive persönliche Blickweise, wenn ich für mich feststelle, das es keine wesentliche musikalischen Kontraste bzw. Neuerungen mit sich brachte. Dennoch ist es ein gutes Album. Allerdings ohne den Anspruch der immerwährenden Erneuerungen und Veränderung der eigenen musikalischen Konzepte. 

Die beiden folgenden 2009er Alben Club Genetica und Inside the Images basierten auf diesem wichtigen Konzept, dass das nächste Album sich deutlich vom Vorgänger unterscheiden sollten. Beiden CDs lag ein Auftrag zu Grunde.club genetica 150 Club Genetica, war ein Entwurf für eine geplante Kooperation mit einem US-Comic-Künstler. Das aus beiden Elementen entstehende Produkt sollte digital vermarktet werden und Bilder und Musik zu einem Medium werden lassen. Letztendlich kam es nicht Zustande, da der Bildgebende Künstler eine andere Musik erwartet hatte und ich eben (noch) nicht meine damalige Musikart ändern wollte. Erbe-Musik ist eben Erbe-Musik. Eine Reduzierung, dass die Musik als ausschliesslicher Support für die Bilder stehen sollte, kam für mich nicht in Frage und ich entschied, die Tracks nochmalig frei unters Volk zu werfen. Das Resultat war ein echter Renner, denn nicht nur mit dem überragenden Track Wunderwerk hatte ich eine sehr gelungene Symbiose auf alter und neuer EM geschaffen. Club Genetica hatte ich in ca. 3 Monaten komponiert und nutze dabei den musikalischen Flow, den es manchmal braucht um tolle Sachen auch in kürzester Zeit hinzubekommen. 2009 hatte eine Menge echter Highlights. Zum einen realisierte ich ein Megaprojekt in der Hagener City und lud dazu eine Menge namhafter EM-Musiker, die Hagener Philharmonie und andere Künstler zum gemeinsam Musizieren für das 50. Jubiläum des Hagener Planetenmodells ein. Zum zweiten würde ich das erste mal das Bochumer Planetarium konzertieren. 2009 war das Jahr der Astronomie und ich nutze die Möglichkeiten die sich ergaben. Beide Events waren ein großer inside 150Erfolg, auch wenn sie eine Menge Vorbereitung bedurften. Inside the Images brachte das Plabo-Event zum Jahresende auf eine CD und erstmalig würde ich auch einige Klassik-Stücke neu arrangieren und in das Konzept einbauen. Ohne meinen Beitrag zu einem Sampler des Bochumer Schallwende Vereines, wären diese Klassikinterpretation-Fähigkeiten wohl ungenutzt geblieben, hatte ich den Pachelbel Klassiker Canon et Guige für den Sampler bereits vorher produzieren können. Das damalige Sampler-Ergbnis verlangte nach mehr und ich verdrehte auf Verdacht noch ein paar anderen Klassik(ern)-Tracks die tonale Grundlagen. Wer hätte damals gedacht, dass noch zwei weitere Alben daraus entstehen werden würde. Auch aus dem Konzert des Planetenmodels kreierte ich einen Sampler, der wohl zu einem der diversivsten EM-Sampler geworden ist.
 
Es ist nicht verwunderlich, dass mir der Erfolg in 2009 besonders gut getan hatte und mich zu weiteren musikalischen Prozessen in 2010 antrieb. Gleich 3 Alben erschienen in diesem Jahr. Driver und Tagwandler waren das driver 150komplette Gegenteil voneinander. Ich denke, dass 2010 das Jahr der kompositorischen Kontroversen war und ich nun endgültig das Prinzip meiner ewigen Neuentwicklung perfektioniert hatte. Betrat Driver mit seinem Sound den Markt der computerspielenden Trance-und IDM-Musik, so war Tagwandler eher Ambient und experimentell. Beide Alben rockten so richtig. Driver distributierte sich eher gen US-Markt, während die Traditionalisten sich dem Sound des grünen Albums hingaben. Die zweite tagwandlerische Wunderwerk-Nummer würde signalisieren, dass noch mit weiteren Versionen zu rechnen ist tagwandler 150und leutete die nächste Runde der Erbe-typischen Soundexpansion ein. Tatsächlich stand auch der Begriff Wunderwerke als Namen für die aktuellen Best-of Alben im Raum. Warum ich ihn nicht verwendet habe, klärt sich im nächsten Artikel zu Vol 3.

Ich habe in den vielen Jahren meines musikalischen Schaffens immer meine Ergebnisse reflektiert und analysiert. Der Prozess die eigene Musik zu Verbessern hatte immer auch etwas mit Veränderungen und mit den Fehler zu tun, die man automatisch macht. Egal ob auf einer Produktion, einem Konzert oder in Verbindung mit anderen musikalischen Anlässen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auch heute immer noch in diesem Prozess bin und Dinge verbessern kann. Wer sich die Mühe macht und sich mit den Erbe-Alben auseinandersetzt, wird dies sicher erkennen können. Jede CD steht für einen weiteren Schritt zur nächste Stufe. Natürlich gibt es Produktionen die dies deutlicher bezeichnen und nicht jede Zeit war gleichsam so ergiebig und nachhaltig. Musikmachen ist eben manchmal auch ein Handwerk, in dem Kreativität nur ein Teil des Ganzen ist. Das Erlernen zur Verwendung bestimmter Mechanismen und das Praktizieren von automatisierten Abläufen gehört aber eben auch dazu. Das Ergebnis ist immer die Summe aus verschiedenen generation electronic 150Fähigkeiten, zu denen ein wenig Talent ebenso gehört, wie das Beherrschen von Technik und seiner Peripherie.2010 beendete ich mit dem dritten Free-Download Album We are Generation Electronic. Wie schon bei den vorherigen beiden Longplayer stand das Konzept, unveröffentlichtes auf einen virtuellen Datenträger zu verewigen. Diese hatte ich in der Zeit von 2003 bis 2010 produziert.

2011 fand zum ersten mal Sound of Sky im Bochum Planetarium statt und ich organisierte in diesem Jahr soviele Live Events wie nie zuvor. Fast jeden Monat, würde ich einen Abend mit Live-Musik dort gestalten, der Thematisch immer einzigartig sein würde. Ich suchte mir mal Film-Musik aus, arrangierte Klassikabende oder veranstaltete restrospektiven EM-Abende. Immer bildete ich eine Mischung aus Originalmusik und ergänzenden Kompositionen, und vermied von Anfang einen niederen Gedanken des einfachen Djings. Ich bin Musiker und kein DJ, deshalb vermengte ich jedes Thema zum Erbe-Expandierten-Musikabend. Die Erkenntnis, dass das monatliche Eventieren auf Dauer vielleicht doch zu viel werden würde, beschloss die Entzerrung auf 4-6 Termine im Jahr, zu denen ich mir nun auch Live-Gäste einlud, um mit Ihnen gemeinsam live auf der Bühne zu stehen. Sound of Sky hat in 2021 sein 10 Jährigen Jubiläum und ich bin stolz und sehr dankbar dies gemeinsam mit dem Team des Bochumer Planetariums machen zu können.
 
synfonie transversale 150Das 3 Alben in 2012 einen Rückblick auf die Sound of Sky Tracks werfen, ist nicht nur logisch sondern sehr wichtig. Zeigen sie recht eindrucksvoll, wie flexibel meine Musik mittlerweile geworden ist. Die Konstellation dieses comfortsone 150andauernden Gestaltungsprozesses ist sicherlich einmalig in der Welt der Planetarien und deren begleitenden Künstlern. Der kurzzeitig erhältliche Sound of Sky vol1-Sampler ist eine Zusammenfassung von Erbe-Tracks die häufiger im Planetarium zu hören waren. Alle Stücke sind aber aber auch auf anderen Alben anzutreffen und die Compilation wurde nur auf vielfachen Wunsch meiner Besucher von mir umgesetzt. Auch vol2 der Sound of Sky Serie ist ein Auszug eines Abends. Hier gesellen sich alte und neue Klassikadaptionen auf ein Album, sowie Tracks die von Klassikthemen inspiriert wurden. Die komplette Musik wurde in 2 Wochen intensivster Arbeit arrangiert und ich frage mich immer noch, wie das klappen konnte.
Sounds of my Comfort`sone ist ebenfalls ein Querschnitt diverse Sound of Sky Abende. Tatsächlich etwas Score- und Cinemalastiger als manch anderes Erbe-Album. Wer genau hinhört erkennt ein paar bekannte Blockbuster-Anleihen und -Huldigungen. Ergänzend hat es noch ein Merkur-Remix von Erik Seifert aufs Album geschafft. Das Stück ist im Orginal auf dem Planetenmodell-Sampler zu finden.
Da die meiste Musik der bisher genannten 2012er Alben auch schon aus 2011 und früheren Zeiträumen gewesen ist, blieb in dem Jahr noch Zeit für ein viertes Projekt. Emotiondesign läutete wieder ein neues Erbe-Zeitalter ein und müsste eigentlich auf die Selectronisch vol3 verortet werden. Selten war der Erbe-Style so klaviermelodiert, wie auf diesem Album. Der Sound ist oftmals lieblicher, auch wenn es ein paar poppige Nummer gibt. Emotiondesign hat emotiondesign 150eine sehr melancholische Note und besticht durch viel konzeptionelles Gedankengut, dass in musikalische Elemente umgesetzt wurde.
 
Abschließend betrachtet scheint es gar so, dass die Zeit zwischen 2005 und 2012 nicht nur äußerst produktiv sondern eben auch sehr stilbildend gewesen ist. Die Vielfalt der Projekte und der musikalischen Themen hat viele neue Optionen eröffnet von denen ich auch heute noch deutlich profitiere. Neben der Diskographie müsste ich eigentlich parallel noch eine weitere Auflistung der zusätzlichen Konzerte und Kooperationen erstellen, die mich nicht nur musikalisch sehr beeinflusst haben, sondern auch in meiner Arbeit als Event- und Medienmacher sehr förderlich waren.
 
sel2 150 72dpiAuch Selectronisch vol2 ist bis auf weiteres kostenlos und kann frei heruntergeladen werden. Ein Donating für den Künstler ist rein freiwillig und nicht verpflichtend (auch wenn er sich darüber natürlich freuen würde. Alternativ gibt es ja auch noch andere lohnende Downloads im Shop;) Eine komplette Diskografie findet ihr hier.


Vielen Dank für Euren Support und alles Gute für 2021. Eine komplette Diskographie (mit den anderen freien Alben) findet ihr hier. Hier gibt es übrigens Teil 1 und Teil 3
Herzlich
Stefan Erbe
29.12.2020  

01 Sound of Sky 2011 /Sounds of my Comfort`sone
02 Radio Fre(e)quenz 2005 /Timeless
03 Emotional 2012 /Emotiondesign
04 Wunderwerk 2008 /Club Genetica
05 Skyliner 2009 / Driver
06 Sekundenschläfer 2010 / Tagwandler
07 Lichtspruch 2012 /Sounds of my Comfort`sone
08 Opus 23 Ballade No 1 _ Chopin 2012 / Synfonie Transversale
09 Jump (Play It Loud) 2008 / Speed of Life
10 Inside the Images 2009 / Inside the Images
11 Adrenalin 2012 /Emotiondesign
12 What we are 2005 /Timeless
13 Wunderwerk zwei 2010 /Tagwandler
14 The driver 2009 / Driver
15 A Place Like This 2008 / Speed of Life
16 Generation electronic 2005 / Timeless
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(Zip Archiv - ca. 160 MB - Entpacker erforderlich)

Best of - SELECTRONISCH Vol1 - Free Download

Lange habe ich darüber sinniert, nachgedacht und gehadert. Soll ich wirklich ein "Best of"-Album machen oder nicht?! Ist es nicht nur reine Kohlemacherei und zielen solche Alben nicht darauf aus, nochmal ein paar Euro damit zu verdienen. Ich denke, es gibt sicher auch Künstler, die nicht nach diesem Gedanken handeln oder gehandelt haben, sondern tatsächlich nochmal eine musikalische Retrospektive erschaffen wollen. Dies war auch immer mein Gedanke, hatte ihn aber bisher immer wieder verworfen, da ich keine schlüssige Idee für eine Zusammenführung meiner gesamten Schaffenszeit verwirklichen konnte. Eine CD mit den besten Stücken? Bei über 30 Alben schwer zu realisieren. So kam mir dann die Idee eine Triologie daraus zu machen und diese nach und nach zu veröffentlichen. 

Die erste selectronische Auswahl bezieht sich auf die Zeit zwischen 1994 und 2004 bzw. 2002 (die Zeit zwischen 2002 und 2004 beinhaltete tatsächlich eine längere Schaffenspause, in der ich kaum künstlerisch aktiv war). 2002 gab es einen wirklichen musikalischen Bruch und die Distanz zur eigenen Musik war recht groß. Ich kann mich erinnern, dass mich wenig Inspiration begleitet hatte und ich eine gewisse Zeit brauchte um 2005 wieder mit neuer Musik beginnen zu können, aber dazu mehr dann im 2.Teil der Best of Serie.

Die ersten Tracks die auf dem Erstling the Comic Dreamland cosmicdreamland 150zu hören sind, entstanden schon in der Zeit von 1992 bis 1993. Ich hatte bereits ein paar sehr semiprofessionelle Tapes in Minikleinauflage für heimische Regal produziert, ehe sich dann tatsächlich ein echtes Musik-Projekt ergeben sollte. Bei einem meiner ersten Besuche an der Hagener Sternwarte bot das Programm dort diverse Multimedia-Shows mit astronomischen Inhaltes an. Angeregt durch die Tatsache, dass man immer wieder mal neue Beiträge machen wolle und auch Musik dafür suche, ergab sich die Vertonung für das Thema des Hagener Plantenmodells. Der Bild(ene)-Beitrag erklärte die Geschichte dieser einmaligen Einrichtung im Hagener Stadtgebiet. Neben diversen existierenden Stücken komponierte ich über einige Monate auch neues Material und verewigte es auf einem neuerlichen Cassetten-Tape. 1993 war eine gebrannte CD-Erstelllung sündhaft teuer und kostete im Stück gut und gerne 20-25 DM. Jeder verbrannte Rohling war ein Desaster und erst 1-2 Jahre später entschied ich mich für eine Kleinauflage, die ich sogar einigen redaktionellen Verwertern zukommen lies. Neben der Keyboards und dem WDR, gab es auch diverse lokale Zeitungen die über die Musik berichteten. Allerdings hatte ich nicht wirklich mit großer Resonanz gerechnet, schon gar nicht, dass meine Musik im öffentlich-rechtlichen Radio laufen würde. Dies erfuhr ich erst, als mir diverse Bestellungen via Postkarten zugestellt wurden. Nicht nur Privatleute wollten (m)eine CD erwerben, sondern auch ein Vertrieb aus der Eifel (Cue) bestellte Exemplare, die es aber noch gar nicht gab. So wurde ich beinahe "gewungen" meine erste CD zu produzieren.
The Cosmic Dreamland entspricht dem typischen Erstlingswerk. Ordentliche Songs auf einem schlecht gemasterten Silberling. Ich war nunmal in Zeitnot und hatte nicht die technischen Möglichkeiten, dass Album auf allerhöchsten Niveau zu mischen. Der Sound ist in der heutigen Betrachtung eine Katastrophe und voller frequenter Abmischfehler. Zu den Tracks stehe ich inhaltlich absolut und glaube, dass sie für die damalige Zeit durchaus ihre Qualität hatten, denn von Anfang an war klar, ich wollte meinen eigenen musikalischen Charakter entwickeln. Somit entstand damals der typische Erbe-Style. Pionier-Sequenzte Musik mit echten Beats und Melodie. Gerne mit einer Hookline oder eben mit einem unverwechselbaren Erbe-Soundelement. 

Gepuscht vom ersten Erfolg war es ein Leichtes bereits an einem weiteren Album zu arbeiten. Irgendwie verfolgten mich die Eindrücke einer Florida-Reise und die damaligen Themen und Sorgen der Unterwasserwelten. Gerade das Thema des Delphinsterbens und der  Verseuchung der Weltmeere lies mich nicht los und ich wollte genau dies zum Thema des 2. Projektes machen. Light of Sirius Sirius 150 ist die fiktive Reise eines gleichnamigen Unterseebootes, dass die manigfaltigen Eindrücke musikalisch verarbeitet. Auch beim zweiten Album, vermengte sich noch eine Menge Newcomer-Mentalität mit reduzierten Masteringeigenschaften und der Tatsache, dass ich auch noch viel über das richtigen Abmischen von Musik lernen musste. Allerdings überstrahlte die inhaltliche Musik die Defizite deutlich und die Resonanz war überwältigend. Ich glaube ohne LOS wäre ich vielleicht niemals über ein "Hobbyisten-Musiker-Stadium" hinausgekommen. Nicht nur, dass ich als letzter Studiogast in Winfried Trenkler Schwingungen zu Gast sein durfte, ich konnte das Album in ganzer Breite einer (damals noch) sehr großen Hörerschaft präsentieren. Das Haupthema der CD, die Tracks "Hopeless World 1 & 2" standen sinnbildlich für die kommende Erbe-Musik. Darüber hinaus konnten alle Tracks mit einer exzellenten Konstruktion aus verschiedenen elektronischen Musikrichtungen glänzen. Egal ob Berliner Schule-Fans, Technojünger oder Ambientliebhaber, die vermengten Klanggebilde, gab es so bisher nicht im weiteren Feld der "EM" (EM ist die Bezeichung die Trenkler für die eher traditioneller Elektronische Musik verwendete) zu hören. Diese vermeindliche Einmaligkeit verschaffte mir die entsprechende Popularität auch Konzertreihen an der Sternwarte zu etablieren, die etliche Besucher in den Hagener Stadtwald locken konnten. Viele Erbe-Fans betiteln Light of Sirius als ihre Erbe-Einstiegsdroge und verfolgen mein Treiben bis heute. Darüber bin ich sehr dankbar.

Digital Entrance  digital entrance 150war im Jahr 1995 ein weiteres Beispiel für die stetige Weiterführung technischer und kompositorischer Fähigkeiten. Neben der Musik, gab es erstmalig auch keine grossartigen Fehler im Mastering zu bemängeln. Die Streuung der verschiedenen Genres innerhalb der CD war nahezu perfekt und bot eine sehr variable Auswahl an kommerziellen und traditionelleren Tracks. Eine Auswahl zu dem Best of Album fiel mit echt schwer, hätten doch fast alle Stücke verwendet werden können. Im Nachhinein gibt es nur Kritik am Cover-Design zu vermelden. Das Booklet ist und war nicht besonders spektakulär und hätte sicher ein bisschen mehr Aufwand verdient gehabt. Aber auch dies gehört zum Lernprozess. Digital Entrance war für die Zeit ein tolles Album und bekam sehr gute Kritiken. Albrecht Piltz, damaliger CD-Rezenseur der Zeitschrift Keyboards machte auch dieses Album zum CD-Tipp und half zu weiteren Expansion der Fan-Base. 

Wer die frühen Erbe-Alben besitzt bzw. sie kennt, wird Kunststoff, kunststoff 150dass 1997 erschien, als möglichen kleinen Rückschlag bezeichnen. Die Songqualität erreichte nicht ganz die beiden Vorläufer und in Summe lies sich keine besondere Weiterentwicklung erkennen. Dies war darin geschuldet, dass ich über das Jahr große Teile meines Equipments gegen neue/andere Synths ausgetauscht hatte und mehr Zeit in die Anwendung, als mit der eigentlichen Komposition verwenden konnte. Hätte ich damals ein Label gehabt, wäre der Hinweis "arbeite noch weiter an der CD, bevor Du sie veröffentlichst" die einzige richtige Aussagen gewesen. Natürlich gibt es auch ein paar gute und auch sehr gute Stücke, aber eben keine echten Hits wie auf der LOS und der Digital Entrance. Dafür war erstmalig das Artwork anspruchsvoller und interessanter geworden. In der ersten Nachbetrachtung im Jahr 1997 war mir klar, dass ich musikalisch "nachgelassen" hatte. Dies würde sich 98 auf der Intermediate aber wieder grundlegend ändern.

intermediate 150Das weiße Album (so nenne ich es gerne) stellte mich und die Erbe-Fans wieder vollumfänglich zufrieden. Nein, ehrlich gesagt war es ein weiterer Meilenstein und kombinierte gute Musik mit einem sehr ansprechendem Outfit. Zum ersten mal hatte ich einen befreundeten Fotografen engagiert, der mit mir eine umfangreiche Bilderserie in Dortmund machte. Die Bilder passten einfach erstklassig zur Musik. Eher etwas technisch, mit architektonischem Einfluss und schlicht im farblichen Design. Zusätzlich passte der Titel nicht nur sehr gut zum Äusseren, sondern auch das gleichnamige Titelstück war ein echter "Hit". Es gehört sicherlich zu den bekanntesten Erbe-Tracks der vergangenen Jahrzehnte. Intermediate bedeutet auch  "dazwischenliegend" und manifestierte den eigenen Anspruch mit der eigenen Musik in keine der üblichen EM-Schubladen gesteckt zu werden, auch wenn es einige Tracks gibt, die dem traditionellen EM-Genre zu 100% zuzusprechen sind. Es ist aber die Erbe-Machart, auch in Berlin-School-Tracks eingeständige Hook- und Beat-Elemente zu integrieren, die daraus etwas ungehörtes machen lassen. Dies war auf dem 1998er Album wieder ein wesentliches Erfolgsrezept.

Das erste Konzert, dass am Wochenende des 4 und 5. Februar 1995 in der Sternwarte stattfand, hatte ich mit enormen Aufwand vorbereitet. spaceworks 150Schon eine Woche vorher wurde der Saal modifiziert bzw. umgebaut. Neben der kompletten "Christo-Ähnlichen-Verhängung" mit schwarzem Stoff, lieh ich mir einen Video-Beamer aus (450 Mark Miete), installierte eine Traverse mit Licht und drehender Diskokugel. Die gebotene Musik wurde mit auf VHS-Cassetten erstellten Visuals untermalt. Neben diversen 3D Animationen, Astrofotos und Farbspielereien, bot auch die Gesamtatmosphäre ein außergewöhnliche Spannung. Es passten nur knapp 65 Besucher in den kleinen Hörsaal und man saß sehr beengt auf knapp 50qm. Die regionale Presse lobte das Ereignis und die Sternwarte und ich kooperierten in einer freundschaftlichen Synergie, die bis heute weitergeführt wurde.
Somit war über die Jahre auch eine musikalische Zusammenarbeit nicht nur sinnvoll, sondern in jeglicher Hinsicht positiv. Daraus ergab sich jede Menge Musik, die es aber nicht immer auf ein reguläres Album schaffen würde. Deshalb gab es mehrere Compilations, die das gesammelte Material nun endlich zusammführen konnten. united 150

United verewigte aber auch älteres Material und es gab sie nur als handgeklöppelte CDR-Kopie in limitierter Miniauflage. Auch Particular X particularx 150erleidete das gleiche Schicksal, denn eine normale CD-Produktion würde aufgrund der Besonderheit der Stücke wohl nicht so erfolgsversprechend sein. Auch Spaceworks und das Live-Album Worlds Away wurde nur als CDR-Kopie vermarktet, wobei ersteres sicherlich auch als gepresste Industrie-CD erfolgreich gewesen wäre. Es war nun mal auch die Zeit, in der die CD-Verkäufe erstmalig stagnierten und man nicht mal eben eine 1000er Auflage verkaufen konnte. Wie viele andere Künstler, konnte man günstig, gute und durchaus hochwertige CD-Produkte selbst herstellen. Dieses Herstellungs-Konzept habe ich aber ab 2005 wieder fallen gelassen und produziere seit dem nur "echte CD`s".

Ach ja. Und da war da noch Querbeat de Luxe. Das erste kostenlose Erbe-Album, dass verschiedene Erbe-Klassiker erstmalig neu retrospektierte. Es ist aber kein Best-of, sondern eher ein "Mach es nochmal besser oder Anders"-Album. Es war von vornherein klar, dass es sehr kommerziell wird und darauf abzielen sollte, mich und meine Musik im WWW bekannter zu machen. Es hat diese Aufgabe perfekt gelöst. Hatte ich noch einige Jahre die Downloadzahlen nachgehalten, so hörte ich irgendwann auf die Menge zu zählen. Allein in den ersten 2-3 Jahren, wurde es mehrere Hunderttausendmal heruntergeladen. Auch deswegen, weil der Hinweis zum Geschenk an verschiedenen presserelevanten Internetseiten gepostet wurde. Ich stelle mir immer noch vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn jeder nur 1 Euro dafür bezahlt hätte. Aber lassen wir das.
Querbeat de luxe hat auch knapp 20 Jahre später nichts von seinem Charme verloren. querbeat 150 Coole Beats, schicke Hooks und leichtgängiger Sound. Wer die Originale nicht kennt, wird die Stücke genau so mögen, wie die Erstlingskonsumenten. Auch heute laden noch jährlich etliche tausende Besucher diese CD kostenfrei herunter. Und wenn sie letztendlich auch keinen direkten wirtschaftlichen Erfolg gebracht hat, so hat sie ihren Dienst geleistet. Nämlich den, zur Popularitätssteigerung.

Rückblickend gab es immer wieder auch die Möglichkeit, den einen oder anderen "Major-Deal" zu machen. Bedeutet, die Musik in andere Label- bzw. Vertriebshand zu geben. Ich habe es immer verworfen und mir geschworen in allen Dingen unabhängig zu bleiben, alles selbst entscheiden zu können und wirtschaftliche Aspekte so zu steuern wie ich es für richtig halte. Keine Ahnung ob ich es irgendwann verpasst habe, den einen guten Musikdeal gemacht zu haben oder etwas unterlies, was mich vielleicht mehr in die kommerzielle Öffentlichkeit gebracht hätte. Mir war es immer wichtiger, meine Einstellung zur künstlerischen Darstellung und die richtigen Schritte in den Vordergrund zu stellen. Erfolg definiert sich nicht ausschließlich über den wirtschaftlichen Erfolg, über Klickzahlen im Internet oder über Likes unter Beiträgen. Für mich ist Erfolg eine Mischung aus musikalischer Qualität, authentischem Arbeiten und einer vielschichtigen Akzeptanz von Hörern, Konzertbesuchern und meiner eigener Ansprüchen. Alle Alben verfolgen die Strategie der Weiterentwicklung und immer habe ich das Folgeprojekt in einen möglichst großen Kontrast zum vorherigen Album gestellt. Ich bin sicher, dass jede CD seine Existenzberechtigung hat und immer die nächste Stufe zur Erkenntnis der eigenen Möglichkeiten bot. 

sel1 150 72dpiSelectronisch vol 1 enthält 14 Stücke die auf ihre Art besonders sind. Entweder als eingängiger Ohrwurm, als oft gespielter Live-Klassiker oder als Beispiel für die Kombination die ich als Erbe-Style bezeichne. Wer sich darauf einlässt musikalisch in die Zeit zwischen 1994 und 2002 zurückzureisen, wird vielleicht ganz sicher den Spirit der Musik der damaligen Zeit verspüren. Muss man dafür ein bisschen Nostalgisch sein? Klar, es kann nicht schaden, die heutigen Ansprüche an Musik mal etwas zu relativieren und sich den Tracks aus diesem Blickwinkel zu nähern.
Ich wünsche Euch viel Spass bei der Zeitreise und freue mich über Feedback, Emails und Kommentare. Wer den Donate Button gefunden hat, darf ihn gerne (be)nutzen. Es muss aber Niemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn er es nicht tut.
Hier gibt es Teil 2 und Teil 3. Eine komplette Diskographie (mit den anderen freien Alben) findet ihr hier.

Herzlich 
Stefan Erbe
24.12.2020

01 Visions/ Adventures in Time and Space 2002 /Spaceworks
02 Intermediate 1998 /Intermediate
03 A Sequent Gallery 1994 / Light of Sirius
04 Technique (Querbeatmix) 1994/2002 /The Cosmic Dreamland / Querbeat de Luxe
05 First look into Light 1997 / Kunststoff
06 If you fall in Love 2001 /Particular X
07 Blue Light under frozen Water 1996 / Spaceworks 
08 Follow Me 1995 / Digital Entrance
09 Upwind 1998 / United 
10 Clockwork 1998 / Intermediate
11 Building 1997 / Kunststoff
12 Shadows and Shapes 1998 / Particular X
13 Changing Colors 1995 /Digital Entrance
14 Hopeless World (Part 2) 1994 / Light of Sirius

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